„Wie baue ich mir eine Arche Noah für die Krise?“

Es könnte alles so einfach sein: Die USA haben auf Grund ihrer Immobilienblase die Banken in Schwierigkeiten gebracht. Die Isländer haben sich verspekuliert, ebenso wie viele andere europäische Staaten. Die Griechen und Portugiesen, wahrscheinlich auch die Iren und Franzosen, haben über ihre Verhältnisse gelebt und damit den Euro geschwächt. Für Meinungsmacher klar: Wir Deutschen müssen deren Missmanagement tragen, unsere Politiker und Banken alle anderen retten. Wir waren natürlich nicht beteiligt, haben aber heroisch geholfen und am Ende haben alle etwas daraus gelernt. Was für ein Glück, es ist überstanden… Ja, es könnte alles so einfach sein. Ist es aber nicht!
Die nächste Krise steht schon vor der Tür und es gilt sich darauf als Führungskraft vorzubereiten, um diese nicht mit Glück, sondern mit guter Planung und bestmöglichem Ergebnis für alle Beteiligten zu überstehen. Es geht dabei nicht darum zu garantieren, dass man mit dem nötigen Vorwissen gestärkt aus einer Krise hervorgeht, aber doch zumindest zu garantieren, dass man sich nachher nicht vorwerfen lassen muss, nicht nach bestem Wissen und Gewissen gehandelt zu haben. Wo wäre unsere Flora und Fauna schließlich heute, wenn Noah gesagt hätte: „Dieser Flut stelle ich mich wenn es soweit ist, bis jetzt ist es ja noch immer gut gegangen. Ich kann schließlich verdammt schnell bauen. Gut, eine Arche habe ich natürlich noch nie gebaut, aber auf einem Floß war ich schon mal…“.
Was aber kann man als Personalverantwortlicher machen, wenn doch das eigene Schicksal in so großem Umfang von Umständen abhängt, auf die man keinen Einfluss hat? Als verantwortlicher Steuermann durch die Krise scheint es vor allem wichtig, die langfristigen Ziele und Anforderungen nicht auf Grund der punktuellen Schieflage aus den Augen zu verlieren und die Kommunikationskanäle offen zu halten. Das bedeutet nicht nur offene Kommunikation mit den Mitarbeitern, um diffusen Ängsten und Gerüchten keinen Nährboden zu bieten, sondern vor allem auch genaues Zuhören und gesteigerte Sensibilität für unterschwellige Strömungen im Unternehmen. Trauen Sie sich gerade in einer Krise Gemeinschaft zu leben und vergraben Sie sich nicht mit Ihren vielen Aufgaben in Ihrer Abteilung!
Eine der wichtigsten, aber auch schwierigsten Aufgaben ist dabei, im Rahmen der Möglichkeiten durch gezielte Personalarbeit weiter in die Mitarbeiter zu investieren. Ansonsten läuft man Gefahr die Krise zwar zu überstehen, auf Grund von unmotivierten Mitarbeitern oder weil man sich in der Hektik einer Krise von wichtigen/guten Mitarbeitern getrennt hat, danach nicht mehr Fuß fassen zu können. Mehr noch: Selbst wenn man sich gezwungen sieht, sich für das Überleben des Unternehmens doch von einigen Mitarbeitern zu trennen, so wird sich eine gute und faire Behandlung dieser sowie eine vorherige Investition in die Employability auf lange Zeit positiv auf das Unternehmensimage auswirken. Es kommt also weniger auf das was, sondern auf das wie an. Dazu muss das Rad nicht einmal neu erfunden werden, denn es hat sich gezeigt, dass Instrumente, die in guten Zeiten durch erhöhte Mitarbeiterorientierung zu besserer Arbeitsqualität führen, auch in Krisenzeiten nicht an Effektivität einbüßen. Durch Krisen werden lediglich Akzente verschoben und zum Teil andere Bereiche der Maßnahmen zentral, an dem Portfolio von Instrumenten ändert sich deshalb aber wenig.
Hier wird das Gewicht von guter Personalarbeit als entscheidender Erfolgsfaktor deutlich, wenn diese strategisch gut ausgerichtet ist. Dafür müssen die Unternehmen das Potenzial der Personalarbeit aber auch erkennen und nutzen. Wenn Unternehmens- und Personalstrategie eng miteinander verzahnt werden und das Personalmanagement Hand in Hand mit der Geschäftsführung arbeitet, kann die Personalarbeit mit all ihrer Heterogenität und kurzfristigen Kosten nicht einer, sondern der entscheidende Erfolgsfaktor werden. Dies spiegelt sich nicht zuletzt im Unternehmenserfolg von „Top Job“-Unternehmen wider, die ein besonders stark ausgeprägtes Personalmanagement auszeichnet.
Bemühen wir in diesem Zusammenhang noch ein letztes Mal unseren Freund Noah. Hätte er sich gegen einige Arten entschieden, nur weil das Boot eigentlich schon ziemlich voll war, oder gegen die langsamer erscheinenden Schildkröten, nur weil er es eilig hatte, oder auch gegen die fremdartigen Hyänen, dann hätten ihm nach seiner erfolgreichen Rettung wichtige Glieder im Gefüge der Nahrungs- und Verwertungskette gefehlt. Seine Anstrengungen wären umsonst gewesen, auch wenn er kurzfristig Zeit und Kosten hätte sparen können.
In diesem letzten Punkt ist besonderer Gegenwind aus vielen Richtungen zu erwarten, aber hier trennt sich auch die Spreu vom Weizen: In wirtschaftlich guten Zeiten ist es vergleichsweise einfach HRM-Maßnahmen durchzusetzen, die echten Qualitäten zeigen sich allerdings erst in einer Krise. Unterm Strich bedeutet dass, dass eine Krise uns zwingt, ebenso wie sie die Chance gibt, das Rollenbild des Vorgesetzten endgültig über Bord zu werfen und als tatsächliche Führungskraft das Steuer zu übernehmen.