Vom 10.000m Lauf zum Marathon – ein Vortrag von Prof. Dr. Thomas Bartscher bei den Primärbanken in Österreich


Die Arbeitswelt stellt heute und morgen immer größere Ansprüche an die Beschäftigten in Unternehmen. Nicht nur dass verstärkende Dynamiken und Komplexitäten derzeit erhebliche Mehrbelastungen verursachen, auch demografische Entwicklungstendenzen tragen dazu bei, dass das Spannungsfeld in dem Mitarbeiter agieren permanent größer wird. Letzteres lässt sich insbesondere bei der Betrachtung von Karriereverläufen beobachten. War es früher üblich, mit Mitte Fünfzig in den verdienten Ruhestand zu gehen, ist dies heutzutage nicht mehr denkbar. Die Rente mit 67 sowie das sich deutlich verschlechternde Renten- und Gesundheitssystem machen es notwendig, dass Führungskräfte und Mitarbeiter wesentlich länger berufstätig und auch berufsfähig bleiben müssen.

Karrieren und Karriereverläufe sind heutzutage also nicht mehr nur ein 10.000 m Lauf, sondern entwickeln sich immer mehr zum Marathon.
Ein Umdenken wird daher sowohl bei Unternehmen als auch beim Mitarbeiter selbst erforderlich. Damit Beschäftigte den beruflichen Marathon für sich und ihr Unternehmen gut meistern können, sollten aus beiderseitigem Interesse heraus zwei wesentliche Aspekte berücksichtigt und bearbeitet werden.

1. Beugen Sie dem Burnout vor und wirken Sie dem körperlichen und geistigen Verschleiß entgegen.

Das bedeutet auf der einen Seite für Unternehmen vermehrt auf seine Mitarbeiter und insbesondere Leistungsträger zu achten, sie in angemessenem Maß zu fordern und zu fördern sowie durch Ausgleichsangebote der körperlichen und geistigen Überlastung aktiv entgegenzuwirken. Auf der anderen Seite müssen Leistungsträger und Führungskräfte aber auch stärker in die Eigenverantwortung gehen und nachhaltig mit ihren Ressourcen haushalten. Dazu gehört es auch, Prioritäten zu setzen und Aufgaben delegieren zu können.

2.  Planen und gestalten Sie Karrieren lebensphasenorientiert.

Unternehmen sollten auf die unterschiedlichen Bedürfnisse ihrer Mitarbeiter individuell reagieren. Berufseinsteiger sollten gefordert und gefördert werden. Familiengründer sollten Unterstützung erfahren und ihnen Freiräume für die Familie gegeben werden. Bei Mitarbeitern der mittleren Lebensphasen sollten zwar auch Freiräume für Privates ermöglicht werden, beruflich sollten allerdings auch ihre Potenziale abgerufen und realisiert werden, indem sie verantwortungsvolle Aufgaben übernehmen und gefordert und gefördert werden. Und schließlich bei Mitarbeitern der späteren Lebensphasen sollte ein auf Gesundheit und Angemessenheit im Arbeitseinsatz und -tätigkeit basierendes Arbeitskonzept geschaffen werden sowie ein gleichmäßiges Ausgleiten aus dem Berufsleben ermöglicht werden.
    Doch nicht nur Unternehmen stehen in der Verantwortung, Karrieren lebensphasenorientiert zu gestalten, auch Mitarbeiter sollten für sich selbst sorgen und für ihre Bedürfnisse und ihre Wünsche aktiv einstehen. Letzteres ist zwar in vielen Organisationen nach wie vor tabu, doch damit eine WLB-orientierte Kultur entstehen kann, ist es wichtig, dass jeder Einzelne heute bei sich selbst beginnt und somit ein Grundstein für das Denken und Handeln von morgen gesetzt wird.

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