Betriebliches Gesundheitsmanagement – Interview mit Stefan Kreh, Leiter Personal & Organisation, SEAT Deutschland
BuB: Herr Kreh, Sie haben das betriebliche Gesundheitsmanagement (BGM) bei SEAT Deutschland eingeführt. Was waren die Gründe hierfür und was hat es gebracht?
Stefan Kreh: Die Einführung des BGM ist mit Blick in die Zukunft im demographischen Wandel begründet. Für die Personalverantwortlichen stellt sich vermehrt die Frage: Wie kann die Gesundheit und Arbeitsfähigkeit der Mitarbeiter im Hinblick auf die Erhöhung der Lebensarbeitszeit erhalten und gefördert werden? Vor dem Hintergrund der schnelllebigen Arbeitswelt ist das BGM außerdem ein Instrument zur Mitarbeiterbindung, da es bei den Beschäftigten ansetzt und die Ressource Mensch in den Mittelpunkt stellt.
Nach der Einführung unseres SEAT Aktiv Gesundheitsprogramms im April 2008 haben sich bei den Teilnehmern vor allem die Werte im Bereich des Bluthochdrucks und des Übergewichts verbessert, zusätzlich konnte das Diabetes-Risiko gesenkt werden. Außerdem fühlten sich 41% der Teilnehmer Anfang 2010 körperlich und 39% seelisch besser als im Vorjahr. Insgesamt sind ein gesteigertes Interesse und eine positive Einstellung zum Thema „Gesundheit“ in der Belegschaft spürbar.
BuB: Was sind Ihrer Meinung nach die Leitprinzipien des BGM?
Stefan Kreh: Durch das BGM sollte zum einen eine Gesundheitsförderung im Unternehmen integriert werden, die am einzelnen Beschäftigten ansetzt (verhaltensorientiert) und dessen Gesundheitskompetenz fördert. Zum anderen sind Maßnahmen gefragt, die an den vorherrschenden Rahmenbedingungen im Unternehmen ansetzen wie bspw. die Arbeitsplatzgestaltung oder Arbeitszeitmodelle wie die Vertrauensarbeitszeit, die wir bei der SEAT Deutschland GmbH eingeführt haben. Erfolgreich sind diese Prinzipien allerdings erst, wenn alle Beschäftigungsebenen – insbesondere das Führungspersonal – sie auch (vor)leben. Dafür ist Zeit notwendig, so etwas geht nicht von heute auf morgen.
BuB: Ist es sinnvoll zur Integration des BGM anfangs ein Leitungsgremium aufzustellen und wenn ja, was sind dessen Aufgaben und Rollen?
Stefan Kreh: Die SEAT Deutschland GmbH hat mit einer Sportwissenschaftlerin der Deutschen Sporthochschule Köln, die im Rahmen ihrer Diplomarbeit für die Entwicklung und Betreuung des Gesundheitsmanagements zuständig ist, das BGM eingeführt und sehr gute Erfahrung gemacht. Sie führt selbst Bewegungskurse im firmeneigenen Aktivraum durch, organisiert und koordiniert weitere Maßnahmen durch qualifizierte örtliche Gesundheitsanbieter. Sie ist direkte Ansprechpartnerin und Vertrauensperson der Beschäftigten. Wir nennen sie im positiven Sinne unser „personifiziertes schlechtes Gewissen“.
BuB: Wie haben die Mitarbeiter das BGM in Ihrem Unternehmen aufgenommen?
Stefan Kreh: Die Mitarbeiter haben die Einführung des BGM positiv aufgenommen. Dies zeigt sich vor allem an der hohen freiwilligen Beteiligung an den Gesundheitschecks (im Schnitt 65%) und an den präventiven Kursprogrammen. Die Beschäftigten können sich auch aktiv in die Gestaltung des Programms einbringen, wodurch die Kommunikation, das Teamgefühl und die Motivation steigen. Nicht zuletzt zeigt sich hierdurch auch eine stärkere Identifikation mit dem Unternehmen.
BuB: Arbeiten Sie mit Krankenkassen zusammen und wenn ja, wie sieht deren Unterstützung aus?
Stefan Kreh: Die Kooperation mit Krankenkassen ist sehr sinnvoll, da sie über qualifizierte Kontakte zu regionalen Gesundheitsanbietern verfügen. Durch Gesundheitstage kann man den Mitarbeitern verschiedene Einblicke in den Bereich „Gesundheit am Arbeitsplatz“ geben. Hier unterstützen Krankenkassen bei der Organisation, der Auswahl der Themen und der nachfolgenden Umsetzung durch Kursangebote oder Workshops.