GiB - Gesund im Betrieb - Ein Diagnoseinstrument für Unternehmen zur Ermittlung von Belastungsfaktoren am Arbeitsplatz
Ein Praxisbeispiel von Alice John, Partnerin bei BuB
Über Arbeitsverdichtung und wirtschaftlichen Druck in Unternehmen muss man nicht viel diskutieren, beides ist überall spürbar. Älter werdende Belegschaften, die Zunahme psychischer Krankheiten und entsprechender Ausfälle erzeugen Druck auf die noch Gesunden und die Leistungsträger – bis auch die nicht mehr können. Die Zunahme von Burn Out-Fällen in Unternehmen ist kein Zufall.
Eine Spirale, die hohe Kosten verursacht und zu einem worst case-Szenario führt, wenn man sie nicht unterbricht. Doch wo kann man ansetzen? Stressprävention, Rückenschule, Qi Gong, Yoga …alles gut gemeinte und wichtige Angebote. Aber es bleibt immer dem Mitarbeiter überlassen, ob und in welchem Umfang er sie nutzt.
Angebote zur Gesundheitsprävention reichen heute nicht aus, bestenfalls sind sie in die Kategorie Symptombehandlung einzustufen und helfen nur vorübergehend. Wie wäre es, mal zu überprüfen, welchen Belastungen die Mitarbeiter im Berufsalltag ausgesetzt sind? Wo könnten Ursachen liegen für körperliche Schmerzen, für ein labiles Immunsystem, für Unkonzentriertheit oder gar schlaflose Nächte, für Ängste und Sorgen von Mitarbeitern?
Ein Praxisbeispiel, das im Produktionsbereich der VDW GmbH durchgeführt wurde, ist „GiB – Gesund im Betrieb“. Dieses Konzept basiert darauf, zunächst gemeinsam mit den Mitarbeitern Belastungsfaktoren im Unternehmen zu ermitteln.
Ausgangspunkt im konkreten Fall waren eine zu hohe Fehlzeitenquote und das Ziel, die Motivation und Leistungsfähigkeit der Mitarbeiter zu steigern. Bisherige Präventionsmaßnahmen und Angebote des Unternehmens wurden nur spärlich angenommen, daher entschied man sich für diese neue Herangehensweise.
In enger Abstimmung zwischen dem Personalmanagement und dem Werkleiter wurden Mitarbeiter aus verschiedenen Bereichen der Produktion ausgewählt, um gemeinsam mit einer externen Beraterin in mehreren moderierten Workshops strukturiert Belastungsfaktoren am Arbeitsplatz zu ermitteln.
Zu beachten ist, dass der Betriebsrat von Anfang an einbezogen wird, denn gerne schreibt sich der BR dieses Thema selbst auf die Fahnen. Außerdem fördert die Teilnahme von Betriebsräten an den Workshops das Vertrauen und die Offenheit der Mitarbeiter.
In den Workshops wurden eine Reihe sowohl körperlicher als auch psychischer Belastungen ermittelt – wertvolle Hinweise für das Unternehmen, unter welchen Arbeitsbedingungen die Mitarbeiter leiden und was zur Überlastung führt.
Im nächsten Schritt wurden mit demselben Team Handlungsfelder definiert und Vorschläge erarbeitet, wie Entlastungen und Optimierungen am Arbeitsplatz ein gesünderes Arbeiten ermöglichen und die Ausfallquote überlasteter und kranker Mitarbeiter reduzieren könnten.
An Ende der Workshop-Reihe konnte das GiB-Team viele wichtige und hilfreiche Vorschläge vor der Personalleiterin, dem Werkleiter und dem Geschäftsführer präsentieren. Eine gemeinsame Priorisierung der Themen hat bei VDW GmbH verschiedene Aktivitäten ausgelöst. Zur Sicherung der Nachhaltigkeit und Überprüfung der Auswirkungen der eingeleiteten Maßnahmen wurde nach einigen Monaten in einem Transfer-Workshop evaluiert, wo Besserung eingetreten ist und wo noch nachgearbeitet werden muss.
Diese Workshopreihe hat zu einer Sensibilisierung aller beigetragen, wie wichtig es ist, genau hinzusehen und Belastungen aufzugreifen. In unserem Beispielunternehmen konnte mit GiB, ergänzt durch weitere Aktivitäten, die Fehlzeitenquote erheblich gesenkt werden. Darüber hinaus haben viele Vorschläge der Mitarbeiter dazu beigetragen, dass die internen Kommunikationswege und die Zusammenarbeit, insbesondere an den Schnittstellen im Produktionsprozess, verbessert werden konnten.
Die Mitarbeiter wurden im Rahmen dieses Projektes mit ihren Belastungen am Arbeitsplatz ernst genommen – auch das ist ein wichtiger Beitrag zur Gesundheitsförderung. Wertschätzung und Anerkennung lassen dann manchem auch schon mal Flügel wachsen. Wichtig ist aber, dass er dann auch wieder landen darf.
Einmal richtig durchatmen, sich in Ruhe mit der Situation am Arbeitsplatz mit Kollegen auseinander zu setzen, in einem geschützten Rahmen und ohne permanenten Zeitdruck nachdenken zu können - das vermissen viele am Arbeitsplatz. Diese Möglichkeit bietet „Gesund im Betrieb“. Wie sich gezeigt hat, hat es sich gelohnt. Die Workshopkosten sind durch die gesenkten Fehlzeiten längst gedeckt.
„GiB und Nimm“ könnte das Motto sein. Gib den Mitarbeitern die Chance, sich einzubringen, nimm deren Motivation für die Herausforderungen des betrieblichen Alltags – „Gesund im Betrieb“ und „Natürlich immer maximal motiviert“!